Basteleien aus dem Kindergarten aufbewahren: Was bleibt, was darf gehen?
Von Andre Voß und Catharina, Kritzelschatz · aus dem Alltag mit unserem Großen (4) und der Kleinen (1) · Oktober 2026
Gerade stehen bei uns Kürbis-Teelichthalter auf der Fensterbank. Davor waren es bemalte Steine, Tulpen aus Eierkarton, Marionetten aus Klopapierrollen und zu Ostern selbstgemachte Nester. Gebasteltes ist wunderbar. Und es ist das Schwierigste, was Kinder nach Hause bringen.
Das Wichtigste in Kürze
Basteleien sind dreidimensional, brauchen viel Platz, und viele Materialien halten nur ein paar Wochen oder Monate.
Bei uns gilt: genießen, solange es hält, und vorher ein schönes Foto machen, mit Titel, Datum und der Geschichte des Kindes.
Im Original bleibt pro Saison höchstens ein Stück, und das sucht das Kind selbst aus.
Unsere Kürbis-Teelichthalter aus Papier, gerade die Herbstdeko auf der Fensterbank
Warum Gebasteltes so schwer aufzubewahren ist
Bilder kann man stapeln, in eine Mappe legen oder an den Kühlschrank hängen. Eine Marionette aus Klopapierrollen nicht. Basteleien sind dreidimensional, sie brauchen Platz, und sie sind oft aus Materialien gemacht, die gar nicht für die Ewigkeit gedacht sind: Pappe knickt, Eierkarton staubt ein, Kastanien schrumpeln, Knete trocknet aus.
Dazu kommt: Viele Basteleien sind an eine Jahreszeit gebunden. Das Osternest passt nicht mehr in den Oktober, die Laterne nicht mehr in den Januar. Wer alles aufhebt, hat irgendwann einen Keller voller Saisondeko, die niemand mehr anschaut.
Der Fußabdruck aus Salzteig
Vom Großen haben wir einmal einen Fußabdruck aus Salzteig gemacht. Ein richtiges Erinnerungsstück. Beim Umzug ist er uns dann unglücklicherweise heruntergefallen.
Zum Glück hatten wir vorher ein Foto gemacht. Seitdem fotografieren wir jede Bastelei, die uns wichtig ist, sobald sie fertig ist. Nicht erst, wenn wir ans Aussortieren denken.
Der Fußabdruck vom Großen, zum Glück rechtzeitig fotografiert
Was hält wie lange?
Naturmaterialien wie Kastanien und Blätter halten meist nur wenige Wochen, Papier, Pappe und gut getrockneter Salzteig dagegen Jahre. Die Tabelle ist eine grobe Orientierung aus unserem Alltag, keine Laborwerte. Sie hilft bei der Frage, wann ein Foto spätestens fällig ist.
Material
Hält ungefähr
Unser Tipp
Kastanien, Eicheln, Blätter
wenige Wochen, trocknen ein oder schimmeln
genießen, fotografieren, dann zurück in die Natur
Knete
trocknet aus oder verformt sich
am besten noch am selben Tag fotografieren
Papier und Pappe, Klopapierrollen, Eierkarton
Jahre, knickt aber, staubt und bleicht aus
fotografieren, ein Lieblingsstück flach und trocken lagern
Salzteig
lange, wenn gut getrocknet, aber zerbrechlich
sofort fotografieren, gepolstert lagern
Laternen
meist eine Saison, leiden beim Transport
am Abend des Laternenumzugs leuchtend fotografieren
Bemalte Steine
sehr lange
dürfen in den Garten oder auf die Fensterbank
Laternen haben es schwer
Letztes Jahr hatten wir sogar eine gekaufte Laterne mit LED-Stab, weil echte Kerzen beim Laternenumzug heute vielerorts nicht mehr gern gesehen sind. Kaputt gegangen ist sie dann im Kofferraum.
Catharina, die Mutter unserer Kinder und Mitentwicklerin von Kritzelschatz, kann darüber nur lächeln: Ihr ist als Kind sogar mal eine Laterne abgebrannt. Laternen sind eben Kunstwerke für einen einzigen Abend. Genau deshalb gehört der Abend aufs Foto.
So machen wir es: 5 Schritte für Basteleien
Erst mal genießen
Eine Bastelei will gesehen werden. Bei uns bekommt jedes neue Stück seinen Platz auf der Fensterbank oder im Kinderzimmer, so lange, wie es schön aussieht. Die Kürbis-Teelichthalter dürfen den ganzen Herbst leuchten.
Ein Foto, solange es frisch ist
Anders als bei Zeichnungen fotografieren wir Basteleien nicht von oben, sondern auf Augenhöhe, vor einem hellen, ruhigen Hintergrund. Eine Kinderhand im Bild zeigt, wie groß das Werk ist. Teelichthalter und Laternen fotografieren wir abends, wenn sie leuchten.
Die Geschichte dazu
Wer hat es gemacht, wo und mit wem? Was war schwierig? Diese Fragen beantwortet das Foto nicht. In Kritzelschatz tragen wir Titel, Datum und Ort ein, zum Beispiel „Kindergarten“, und unser Kind erzählt per Sprachnotiz, wie die Bastelei entstanden ist.
Ein Lieblingsstück pro Saison
Im Original heben wir pro Saison höchstens eine Bastelei auf, und die sucht das Kind selbst aus. Sie kommt gut gepolstert in eine Schachtel. Alles andere bleibt als Foto mit Geschichte.
Mit gutem Gewissen loslassen
Wenn die Kastanien schrumpeln oder die Marionette ihre Fäden verloren hat, darf sie gehen. Die Erinnerung ist ja gesichert. Bei Naturmaterialien kann daraus ein kleines Ritual werden: Die Kastanien kommen zurück unter den Baum.
Und was im Kindergarten bleibt?
Was im Kindergarten bleibt, hältst du am besten über die Erzählung deines Kindes fest oder mit einem kurzen Foto beim Abholen. Nicht alles kommt nach Hause. Manche Kunstwerke bleiben im Kindergarten, weil sie Teil einer Ausstellung sind, zu groß sind oder gemeinsam mit anderen Kindern entstanden. Gerade die sehen wir als Eltern oft gar nicht richtig.
Zwei Ideen, die uns helfen:
Erzählen lassen. Auf dem Heimweg fragen: „Was habt ihr heute gebastelt?“ Manchmal ist die Geschichte schöner als das Werk selbst. Welche Fragen Kinder zum Erzählen bringen, steht in Die Geschichte hinter dem Bild.
Beim Abholen fragen, ob ein Foto okay ist. Viele Erzieherinnen und Erzieher haben nichts dagegen, wenn man das eigene Werk des Kindes kurz fotografiert. Wichtig: nur das Werk, keine anderen Kinder im Bild.
Unser Tipp
Mach aus der Fensterbank eine kleine Ausstellung, die mit den Jahreszeiten wechselt. Kommt etwas Neues dazu, wird das Älteste fotografiert und darf gehen. Wie das mit gemalten Bildern klappt, liest du in Kinderzeichnungen aufbewahren.
Häufige Fragen
Wie bewahre ich Basteleien aus dem Kindergarten am besten auf?
Am besten erst einmal genießen: auf der Fensterbank, als Deko oder im Kinderzimmer. Solange die Bastelei noch frisch ist, wird sie bei Tageslicht fotografiert und mit Titel, Datum und einer Sprachnotiz des Kindes festgehalten. Im Original bleibt pro Saison höchstens ein Lieblingsstück, gut gepolstert in einer Schachtel. Den Rest darf man danach mit gutem Gewissen loslassen.
Wie lange halten Bastelarbeiten aus Kastanien, Blättern und anderen Naturmaterialien?
Meist nur wenige Wochen. Kastanien trocknen ein und schrumpeln, Blätter werden brüchig, und feucht gelagerte Naturmaterialien können schimmeln. Deshalb lohnt sich ein Foto, solange die Bastelei noch frisch aussieht.
Was mache ich mit der Laterne nach St. Martin?
Laternen sind Kunstwerke für eine Saison. Sie leiden beim Umzug und beim Transport und sind danach oft eingedellt oder kaputt. Am schönsten ist ein Foto am Abend des Laternenumzugs, am besten leuchtend. Danach darf die Laterne gehen, oder sie bleibt als Lieblingsstück der Saison.
Wie fotografiere ich Basteleien, damit es schön aussieht?
Bei Tageslicht vor einem ruhigen, hellen Hintergrund und auf Augenhöhe der Bastelei, nicht von oben. Eine Kinderhand im Bild zeigt die Größe. Teelichthalter und Laternen wirken am schönsten abends, wenn sie leuchten.
Gemalt, gebastelt oder aus Sand gebaut
Jedes Kunstwerk bewahren, auch das, was nicht hält
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